20 Jahre Nachbar in Not

Zum 20. Jubiläum von „Nachbar in Not“ fand am 6. Juni ein international besuchter Empfang und Festakt beim Bundespräsidenten und Schirmherren der Hilfsaktion, Dr. Heinz Fischer, in der Wiener Hofburg statt.

Geladen und gekommen waren nicht nur hochrangige Vertreter des ORF und der „Nachbar in Not“-Hilfsorganisationen – Caritas, Care, Diakonie, Hilfswerk, Malteser, Rotes Kreuz, Samariterbund und Volkshilfe –, sondern auch zahlreiche Botschafter jener Länder, denen „Nachbar in Not“ in den vergangenen zwanzig Jahren in Krisen- und Katastrophenfällen geholfen hat.

Dr. Alexander Wrabetz, Dr. Heinz Fischer, Sissy Mayerhoffer, Michael Opriesnig. (v.l.n.r.) (Bild: Milenko Badciz)

Insgesamt 199 Millionen Euro sind seit der Gründung der Hilfsaktion, die 1992 als Hilfe für die Flüchtlinge und Vertriebenen des Jugoslawienkrieges ins Leben gerufen wurde, von den Österreicherinnen und Österreichern gespendet worden. Zehn Jahre half „Nachbar in Not“ den notleidenden, zivilen Opfern des Bürgerkriegs beim Überleben und schließlich auch beim Wiederaufbau. Die Aktion wurde zum Synonym für rot-weiß-rote Hilfe und ist es bis heute geblieben. „Nachbar in Not“ wurde 2003 in eine Stiftung umgewandelt und hat sich in zwei Jahrzehnten von der Jugoslawienhilfe zur Österreich-Dachmarke von ORF und NGOs für internationale Hilfseinsätze entwickelt.

Bundespräsident Fischer: „Stolz auf Österreich!“

„Das Gute und das Böse teilt die Menschen nicht. Es geht oft mitten durchs Herz ein und desselben Menschen". (Zitat Alexander Solschenizyn)

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer erinnerte an die historische Dimension der Nachbarschafts¬hilfe und daran, dass „zwanzig Jahre in der Geschichte ein Augenblick“, gleichzeitig aber auch ein Zeitraum, „in dem Geschichte geschrieben“ werde, seien. Fischer: „,Nachbar in Not‘ hat unglaubliche Kontinuität bewiesen. 1992 hätte sich niemand vorstellen können, dass wir 2012 hier zusammensitzen und dass seither 199 Millionen Euro gespendet worden sind.“ Und weiter: „Ich bin manchmal sehr stolz auf Österreich und darauf, was Menschen in Österreich für Menschen in anderen Ländern und für Nachbarn in Not leisten.“

Der Bundespräsident betonte außerdem – in Anlehnung an ein Zitat von Alexander Solschenizyn: „Das Gute und das Böse teilt die Menschen nicht. Es geht oft mitten durchs Herz ein und desselben Menschen. ,Nachbar in Not‘ ist ein Kristallisationspunkt, der bewirkt, dass man Angst und Scheu vor Fremdem überwindet und Mitmenschlichkeit und Humanität hervorbringt.“ In Würdigung der Verdienste aller Mitwirkenden, dankte der Bundespräsident abschließend dem ORF und den Hilfsorganisa¬tionen: „Ich gratuliere allen, die am Erfolg dieser einzigartigen Hilfsaktion mitgewirkt haben. Und ich wünsche, dass es in Zukunft möglichst wenig Anlässe gibt, aber dass dort, wo ,Nachbar in Not‘ aufgerufen wird, mit der gleichen positiven Energie und Wirkung geholfen wird wie bisher.“

ORF-Generaldirektor Wrabetz: „Professionelle Zusammenarbeit mit den Organisationen der Zivilgesellschaft“

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz würdigte die Verdienste der Anfangsjahre der Hilfsaktion für die Flüchtlinge und Vertriebenen am Balkan unter Kurt Bergmann, „als ,Nachbar in Not‘ die Menschen im Nachbarland mit Hilfsgütern versorgte und die Kolonne der LKW rasch zum Sinnbild der Nachbarschaftshilfe wurden“. Er unterstrich aber auch die Bedeutung der Stiftung „Nachbar in Not“, die seither mit weltweitem Radius tätig wurde. Wrabetz: „2003 wurde ,Nachbar in Not‘ in eine Stiftung umgewandelt und wir schätzen seither die Zusammenarbeit mit diesen höchst professionell arbeitenden Organisationen der Zivilgesellschaft.“

Wrabetz lobte aber auch das Engagement im eigenen Unternehmen und unterstrich, „dass es bei ,Nachbar in Not‘ auch um Bewusstseinsbildung geht. Und dafür braucht man journalistische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, braucht es verschiedene Blickwinkel auf humanitäre Krisen und Katastrophen, auf ihre Auswirkungen und ihre Ursachen.“ Der Dank für den Erfolg von „Nachbar in Not“ gelte „den Mitarbeiter/innen des ORF, der Hilfsorganisationen und natürlich den Spenderinnen und Spendern.“

„Nachbar in Not“-Vorstandsvorsitzender Opriesnig: „Die humanitäre Visitenkarte Österreichs im Ausland“

"Wir alle zusammen haben mit ,Nachbar in Not‘ eine humanitäre Visitenkarte geschaffen, die zu Österreichs Ansehen in der Welt beiträgt."

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Nachbar in Not“, Michael Opriesnig vom Roten Kreuz unterstrich als letzter der Redner und im Namen der „Nachbar in Not“-Hilfsorganisationen: „Deshalb sendet diese Spendensumme von rund 200 Millionen Euro ein starkes Signal der österreichischen Zivilgesellschaft, die die Verpflichtung zu helfen mit uns Hilfsorganisationen teilt. Österreicherinnen und Österreicher helfen bei Krisen in allen Regionen der Welt, weil sie die Menschen hinter den Leidenden erkennen können. Weil für sie der ,Nachbar in Not‘ ein notleidender Mensch ist, mit einem Schicksal, das uns in Österreich nahe geht.“ Opriesnig erinnerte gleichzeitig daran: „Es geht nicht um Mitleid und nicht um Almosen, sondern es geht um eine gemeinsame Verantwortung für unsere globale Zukunft. Es geht um Menschenrechte. Wir alle zusammen haben mit ,Nachbar in Not‘ eine humanitäre Visitenkarte geschaffen, die zu Österreichs Ansehen in der Welt beiträgt.“

Multikulturelle Vielfalt in der Hofburg

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz mit zahlreichen Mitgliedern der Geschäftsführung und vielen Journalistinnen und Journalisten des Hauses, die der Aktion seit ihrer Gründung Gesicht und Stimme verleihen, die Präsidenten der Stifter-Organisationen, Franz Küberl von der Caritas und Fredy Mayer vom Roten Kreuz, sowie der anderen sechs Kooperationspartner von „Nachbar in Not“, Kurt Bergmann, der die Aktion 1992 als Jugoslawienhilfe begründet hatte, Sissy Mayerhoffer, die heute für die humanitären Belange des ORF zuständig ist, und zahlreiche Exzellenzen – darunter die Botschafterinnen und Botschafter der ehemaligen „Nachbar in Not“-Hilfsgebiete Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Kosovo, Serbien, Indonesien, Indien, Sri Lanka, Rumänien, Bulgarien und die Honorarkonsulin der Republik Haiti – waren der Einladung in die Hofburg gefolgt.

Der ORF erinnerte in Zuspielungen an die diversen Hilfseinsätze von „Nachbar in Not“ und präsentierte eine Festschrift, die unter Mitwirkung zahlreicher Autorinnen und Autoren aus ORF und Hilfsorganisationen zu diesem Jubiläum erschienen ist. Auszüge daraus lasen die ORF-Journalist/innen Dr. Friedrich Orter, Monika Kalcsics, Christian Staudinger und – in Vertretung für Afrika-Expertin Margit Maximilian – Tiba Marchetti.

Für das musikalische Rahmenprogramm sorgte das afrikanische Musik-Ensemble „MoZuLuArt“ mit den Stücken „Bheka Kimi“ und „Phakathi“, die unter der Leitung und in Begleitung (Piano) von Prof. Roland Guggenbichler ihre mitreißenden Mozart-Interpretationen vokal und instrumental zum Besten gaben.

„Österreichbild“ am Sonntag: „Hilfe, die ankommt – 20 Jahre ,Nachbar in Not‘“

Der ORF widmete dem 20-Jahr-Jubiläum von „Nachbar in Not“ einen Programmschwerpunkt mit zahlreichen Beiträgen und Sendungen im Zeichen der Hilfsaktion. Als letzter Beitrag ist am Sonntag, dem 10. Juni, um 18.25 Uhr die Sendung „Österreichbild: Hilfe, die ankommt – 20 Jahre ,Nachbar in Not‘“ in ORF 2 zu sehen.

In dieser TV-Dokumentation aus der Steiermark widmet sich Gestalter Franz Neger der Geschichte, den Anfängen und den Projekten dieser besonderen Hilfsaktion. Gezeigt wird, was mit den Spenden aus Österreich gemacht wurde und wie konkret geholfen werden konnte. Kriegsüberlebende und ehemalige Flüchtlinge sprechen dabei über ihre Erfahrungen, „Nachbar in Not“-Helfer/innen berichten über ihre Einsätze in den Krisengebieten, Mitwirkende der unterschiedlichsten Hilfsorganisationen kommen zu Wort.