Sujet der Kampagne 2005. (Bild: ORF/NiN)

Die Entstehungsgeschichte

Die Dachmarke "Nachbar in Not" ist von einer für wenige Wochen angedachten Hilfsaktion zu einer Stiftung mit den acht großen österreichischen Hilfsorganisationen und dem ORF als Medienpartner geworden.

1992: Der Krieg im Nachbarland Jugoslawien erschüttert Österreich. Um die enorme Hilfsbereitschaft aufzufangen wird die Aktion "Nachbar in Not" gegründet und entwickelt sich schnell zur größten privaten Hilfsinitiative für die Menschen am Balkan.

Insgesamt 199 Millionen Euro haben die Österreicher seit 1992 gespendet. Für die Flüchtlinge in Darfur im Sudan, die Opfer des Tsunami in Asien, des Hochwassers in Bulgarien und Rumänien, 2005 - nach einem Erdbeben - bereits einmal für die Menschen in Pakistan, im Jänner 2010 für die Opfer des Erdbebens in Haiti und im August 2010 für die Betroffenen der Flutkatastrophe in Pakistan.

Die Gründung von "Nachbar in Not"

Knapp ein Jahr, nachdem Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit erklärt haben, was der Beginn eines blutigen Bürgerkrieges sein sollte, der geprägt von Massakern, ethnischen Säuberungen, Flucht, Zerstörung, Vertreibung und fehlgeschlagenen Waffenstillstandsabkommen viele Jahre in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien wütete, wurde am 26. Mai 1992 der Start einer Hilfsaktion mit Namen "Nachbar in Not" für die Flüchtlinge und Vertriebenen im auseinanderfallenden Jugoslawien bekanntgegeben. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UHNCR) 1,5 Millionen Menschen des ehemaligen Jugoslawien auf der Flucht. Betroffen waren vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen.

Internationale Friedensbemühungen scheiterten, der Krieg und damit das menschliche Elend im ehemals zweitbeliebtesten Nachbar- und Urlaubsland aller Österreicher eskalierte. Die österreichische Bundesregierung verdoppelte ihre finanziellen Hilfsleistungen von ursprünglich 30 auf 60 Millionen Schilling. Doch es war klar, dass diese Hilfe für die leidtragende Zivilbevölkerung nicht ausreichte; das ehemalige Urlaubsparadies an der Adria drohte, zum Trümmerhaufen der Geschichte - mitten in Europa - zu zerfallen.

In dieser Situation entstand die Idee, zusätzlich zur staatlichen Hilfe eine private, humanitäre Hilfsaktion mit Unterstützung des ORF zu starten und die Menschen in Österreich zu Spenden für die Flüchtlinge und Vertriebenen im Nachbarland aufzurufen. Der damalige ORF-Generalsekretär und "Licht ins Dunkel"-Begründer Kurt Bergmann fand in Caritas und Rotem Kreuz kompetente Partner mit funktionierenden Hilfsmöglichkeiten im Nachbarland. Es entstand ein Netzwerk der Hilfe zwischen dem starken Medienpartner ORF, der in Spots zu Spenden aufrief und weite Teile seines Programms in den Dienst der Hilfe stellte, sowie den zwei großen, österreichischen Partnern Caritas und Rotes Kreuz.

Hilfe zur Selbsthilfe

"Initiative Frieden".
"Saatgut für den Frieden".
"Kosovo-Hilfe".

Im Laufe von zehn Jahren entwickelte die Aktion "Nachbar in Not" - der sich mittlerweile andere, österreichische Hilfsorganisationen wie Care, Volkshilfe, Hilfswerk Austria, Diakonie, Samariterbund und Malteser Hospitaldienst angeschlossen hatten – mit Unterstützung des ORF immer wieder neue Formen der Hilfe, um die Spendenbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher aufrecht zu erhalten und startete erfolgreiche Subaktionen wie die "Initiative Frieden", die Aktion "Saatgut für den Frieden" oder die "Kosovo-Hilfe", wo mit Unterstützung des Österreichischen Bundesheeres ein Flüchtlingscamp in Shkodra entstand. Das Motto blieb stets das gleiche: der betroffenen Zivilbevölkerung Hilfe zur Selbsthilfe zu geben – und: "Nachbar in Not" leistete humanitäre Hilfe unabhängig von politischer, ethnischer oder nationaler Zugehörigkeit in Gesamtjugoslawien.

Konvoi der Nächstenliebe

Rasch wurde eine Währungseinheit für die Aktion, die innerhalb eines Wochenenendes geboren wurde und den Namen "Nachbar in Not" erhielt, gefunden: Die Hilfsgüter - Nahrung, Medikamente, Hygieneartikel - wurden in Österreich gekauft und immer wenn 300.000 Schilling Spendengeld auf dem "Nachbar in Not"-Konto PSK 76 00 111 eingegangen waren, startete ein LKW, beladen mit 20 Tonnen Hilfsgütern.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft setzte ein, die auch bei größtem Optimismus nicht vorhersehbar war – bereits am 27. Mai 1992 setzte sich der erste "Nachbar in Not"-LKW in Richtung Agram, des ehemaligen Zagreb, in Bewegung.

In der ersten Woche der Spendenaktion war die Finanzierung von 400 LKW sichergestellt, nach sieben Wochen der tausendste Hilfstransport finanziert. Der "Konvoi der Nächstenliebe", so die Metapher für die rollenden LKW-Kolonne, sollte insgesamt zehn Jahre lang nicht abbrechen. "Nachbar in Not" fand auch international Anerkennung. Andere Länder, etwa Deutschland, starteten mit ihren Medienunternehmen ähnliche Hilfssammlungen nach dem Vorbild von "Nachbar in Not". UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali und Papst Johannes Paul II. würdigten die österreichische Initiative für humanitäre Hilfe im Nachbarland.

APA/Andreas Troescher

"Hilfe für die Kinder des Irak"

31. März 2003: Zehn Tage, nachdem die ersten Bomben auf Bagdad gefallen sind, initiiert das ORF-Hitradio Ö3 gemeinsam mit der ORF-Stabstelle "Humanitarian Broadcasting" und den Partnern Caritas und Rotes Kreuz die Aktion "Hilfe für die Kinder des Irak – Ö3 für die Opfer des Krieges".

"Nachbar in Not" - Die Stiftungsgründung

Unter dem Dach der Stiftung arbeiten sechs weitere, österreichische Hilfsorganisationen - Diakonie, Care, Volkshilfe, Hilfswerk Austria, Malteser Hospitaldienst und Samariterbund - als Kooperationspartner.

Durch die seit dem Jugoslawienkrieg bewährte Zusammenarbeit ist ein funktionierendes und rasch einsatzbereites Netzwerk zwischen dem Medienunternehmen ORF und den österreichischen Hilfsorganisationen entstanden. Um die ruhende Marke "Nachbar in Not" am Leben zu erhalten, fasste man den Entschluss, "Nachbar in Not" in eine Stiftung umzuwandeln, die über einen größeren Aktionsradius verfügt. Die Stiftungsgründung erfolgt am 9. April 2003 – elf Jahre nach Ausbruch des Jugoslawienkrieges. Die Stifter sind Caritas und Rotes Kreuz, der ORF ist Miteigner der Marke. Angesichts der Entwicklungen im Irak entschließen sich die Stiftungsgründer am 14. April 2003 die Spendengelder der Ö3-Aktion für die Irakhilfe der Stiftung "Nachbar in Not" zu übergeben, die mit der Verteilung und Durchführung der Hilfsmaßnahmen betraut wird. Innerhalb weniger Wochen werden 500.000 Euro auf das erste "Nachbar in Not"-Konto nach dem Jugoslawienkrieg eingezahlt.

"Nachbar in Not - Österreich hilft Darfur"

Sujet der ORF-NiN Hilfe Darfur. (Bild: ORF)

Insgesamt werden innerhalb von vier Monaten der aktiven Bewerbung der Sudanhilfe durch den ORF mit Spendenaufrufen, redaktionellen Begleitmaßnahmen im Fernsehen, Radio, Internet und Teletext 6,8 Millionen Euro gespendet.

Bereits im Jahr 2004 ergibt sich für "Nachbar in Not" abermals die Situation, Hilfe in einem internationalen Krisengebiet zu leisten. In der bis dato in Österreich wenig bekannten Provinz Darfur im afrikanischen Westsudan tobt seit Monaten ein Bürgerkrieg und weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit spielt sich eine der größten, humanitären Katastrophen seit Jahrzehnten ab, die für insgesamt rund 1,2 Millionen Menschen Mord, Hunger, Elend und Verzweiflung bringt. Angesichts dieser Situation startet am 14. August 2004 unter der Patronanz von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer die Aktion "Nachbar in Not - Österreich hilft Darfur". Auch heute noch sind einige der "Nachbar in Not"-Organisationen im Westsudan vor Ort und betreiben Projekte, die unter anderem auch mit Mitteln aus den "Nachbar in Not"-Spendengeldern unterstützt werden.

"Nachbar in Not - Die Flutkatastrophe"

Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe. (Bild: ORF/NiN)

Innerhalb weniger Monate werden 32,6 Millionen Euro gespendet.

Am 26. Dezember 2004 ereignet sich das größte Seebeben seit mehr als 40 Jahren im Indischen Ozean. Die dadurch ausgelöste Flutwelle erreicht innerhalb weniger Stunden die Küsten Thailands, Sri Lankas, aber auch der Malediven sowie die Ostküste Afrikas. Einheimische wie Touristen werden von der Welle überrascht und fliehen um ihr Leben. Ganze Küstenstriche werden durch die ungeheure Gewalt des Tsunami verwüstet. Hunderttausende Menschenleben sind zu beklagen. Am 28. Dezember startet die ORF-Hilfsaktion "Nachbar in Not – Die Flutkatastrophe". Die Hilfsbereitschaft angesichts der Tsunami-Katastrophe ist überwältigend: Vielen Österreichern ist die Region als ehemaliges Urlaubsparadies bekannt.

Hochwasser in Rumänien und Bulgarien

Flut in Osteuropa. (Bild:ORF/NiN)

600.000 Euro für die Hochwasserhilfe in Rumänien und Bulgarien.

Im Sommer 2005, nur wenige Monate nach der Tsunami-Katastrophe, richten Unwetter und anhaltende Regenfälle in weiten Teilen Rumäniens, aber auch im angrenzenden Bulgarien verheerende Verwüstungen an. Besonders betroffen sind wieder einmal die Ärmsten der Armen, die ohnehin weitgehend mittellose Landbevölkerung. Ganze Häuser werden weggeschwemmt, das wenige Vieh, das den Lebensunterhalt ermöglichte ertrinkt oder wird von einstürzenden Gebäudeteilen erschlagen. Die Landwirtschaft und Infrastruktur des Landes ist schwer beschädigt."Nachbar in Not" ruft für die vom Hochwasser betroffenen Menschen zu Spenden auf - und während in Österreich Urlaubszeit ist und eine große Hitzewelle herrscht werden innerhalb weniger Wochen rund 600.000 Euro für die Hochwasserhilfe in Rumänien und Bulgarien gespendet.

Erdbeben in Südasien

Erdbeben in Pakistan. (Bild:ORF/NiN)

Insgesamt 5,8 Millionen Euro haben die Österreicher/innen für die "Nachbar in Not"-Pakistanhilfe gespendet. Geld das entscheidend dazu beigetragen hat, dass die befürchtete, zweite Todeswelle für die Überlebenden des Erdbebens verhindert werden konnte.

Am 8. Oktober 2005 erschüttert in den Morgenstunden ein Jahrhunderterdbeben den Norden Pakistans: Ganze Dörfer und Siedlungen werden dem Erdboden gleichgemacht. Das Beben mit einer Stärke von 7,6 auf der Richterskala forderte fast 90.000 Tote, mehr als 10.000 Verletzte und macht rund drei Millionen Menschen obdachlos. "Nachbar in Not" startet nur zwei Tage später die Aktion "Erdbeben in Südasien", beteiligt sich an den Sofortmaßnahmen, um das Elend der Menschen zu lindern. Aber neben der Versorgung mit sauberem Trinkwasser, Lebensmitteln und Medikamenten und dem dringenden Aufbau von Notunterkünften erfordert der bevorstehende und Winter die Versorgung der Menschen mit zusätzlichen Zelten, Decken und Öfen gegen die Kälte.

Erdbeben in Haiti

Drei Kinder nach dem Erdbeben in Haiti. (Bild ORF/NiN)

14,5 Euro Millionen sind von den Österreicher/innen innerhalb weniger Monate gespendet worden.

Das Erdbeben, das Haiti am 12. Jänner 2010 erschüttert, gehört zu den schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte. 250.000 Menschen kamen ums Leben, mehr als 1,3 Millionen wurden obdachlos. 14,5 Euro Millionen sind von den Österreicher/innen innerhalb weniger Monate gespendet worden. "Geld", so betont Sissy Mayerhoffer, Leiterin des ORF-Humanitarian Broadcasting, "mit dem die 'Nachbar in Not'-Organisationen allein Sofort- und Nothilfe in Höhe von 4,2 Millionen Euro geleistet haben. Weitere 9,5 Millionen Euro sind für Überbrückungsmaßnahmen wie Notquartiere, Zelte ausgegeben worden bzw. arbeiten in laufenden Projekten für den Wiederaufbau. Damit ist die Initiative von "Nachbar in Not" ein wichtiger Baustein für ein besseres Leben der Menschen in Haiti."

Erdbebenhilfe Haiti: Zwischenbericht Jänner 2011.

Flutkatastrophe in Pakistan

Sujet für die Hilfsaktion in Pakistan. (Bild: ORF/ NiN)

Innerhalb von fünf Wochen haben die Österreicherinnen und Österreicher 5,3 Millionen Euro gespendet.

Am 18. August 2010 haben ORF und "Nachbar in Not" die Spendenplattform zu Gunsten der "Nachbar in Not"-Pakistanhilfe aktiviert. Es war dies bereits das zweite Mal innerhalb weniger Monate – nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti am 12. Jänner des Jahres – dass "Nachbar in Not" aktiv wurde. Innerhalb einer Woche ist am 24. August – mit dem "ORF-Thementag für Pakistan", der allein 500.000 Euro an Spenden bewirkt – ein Spendenstand von insgesamt 1,5 Millionen Euro erreicht. Die ORF-Regionalradios machen diesen Aktionstag ebenfalls zum Schwerpunkttag in allen Bundesländern. Hitradio Ö3, Ö1 und FM4 unterstützen die Hilfsaktion durch Berichterstattung und Spendenaufrufe. Im Network von ORF.at läuft eine Bannerkampagne und der ORF TELETEXT informiert über die Hilfe und die Spendenmöglichkeiten. Die ORF-Reporter Jörg Winter und Fritz Orter berichten aus der Krisenregion. "Thema" bringt eine ausführliche Reportage von Gerhard Tuschla mit Berichten über konkrete Hilfsmaßnahmen der "Nachbar in Not"-Organisationen vor Ort. Innerhalb von fünf Wochen werden von den Österreicherinnen und Österreichern 5,3 Millionen Euro gespendet.

So konnte "Nachbar in Not" in Pakistan bisher helfen